Experience Dresden – Huntington – Escape Room Dresden

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Dresden / 2 – 5 Spieler / Preis: 35 – 40 Euro pro Person / Bewertung: 9.1

Adresse: Cottaer Str. 15, 01159 Dresden

Gespielt: 06.03.2022

Anzahl der Spieler: 2

Nachdem wir schon seit einiger Zeit Experience Dresden auf unserer Must-Play-Liste hatten, war nun die Zeit gekommen ihnen einmal einen Besuch abzustatten. Und Zeit nehmen darf man sich bei Experience Dresden, denn das Spiel ist auf 90 Minuten ausgelegt und verfolgt einen etwas anderen Ansatz. Wie uns dieser Ansatz gefallen hat, das lest ihr hier.

Wir sind mit dem Auto angereist und haben in einer der Nebenstraßen ohne Probleme einen Parkplatz gefunden. Experience Dresden ist der einzige Escape Room im Westen von Dresden.

Kurz vor dem ersten großen Lockdown eröffnete Experience Dresden und entwickelte für seinen Raum Huntington einen außergewöhnlichen Ansatz in der Escape Room-Szene. Deshalb legen die Betreibenden auch viel Wert darauf, dass es eine Experience ist: Der Hauptfokus liegt auf der Story, bei der sich jede Entscheidung der Spielenden direkt auf die Entwicklung der Story auswirkt. Und so bietet der Raum nicht nur ein, sondern gleich fünf verschiedene Möglichkeiten, wie die Geschichte ausgeht. Doch dazu später noch mehr.

Die Begrüßung durch den Gastgeber war sehr freundlich und die Empfangsräumlichkeiten wirken aufgeräumt und einladend. Getränke, Snacks und Spinde für das Wegschließen privater Sachen stehen zur Verfügung. 

Unser Gastgeber, welcher auch gleichzeitig der Betreiber war, legte dann sehr viel Wert auf die Einweisung, wo es vor allem darum ging, uns in das richtige Mindset für den Raum zu bringen. Wir sollten uns Zeit nehmen, um Story und Atmosphäre in den Vordergrund zu bringen und nicht versuchen, schnell alle Rätsel zu entdecken und den Raum zum Abschluss zu bringen. Darum geht es in diesem Raum nicht. Nach dieser sehr gründlichen Einweisung, konnte unser Abenteuer in Japan beginnen.

Huntington

„Ihr, als Touristen in Japan, folgt einer Empfehlung, um ein traditionelles Restaurant in Osaka zu besuchen. Dabei sollte eine kurze Abkürzung durch den Wald euch schneller ans Ziel bringen. Zielsicher folgt ihr dem beschriebenen Pfad. Doch nach längerem Laufen müsst ihr festzustellen, dass ihr euch verirrt habt. Es wird immer später und ihr wisst nicht, wie lange das Petroleum euer Lampe noch Licht spenden wird. Glücklicherweise seht ihr in der Ferne ein Licht. Voller Hoffnung, dass das der Weg aus dem Wald ist, folgt ihr diesem. Doch führt euch dieser Weg wirklich hinaus oder noch viel tiefer in den Wald? Was seid ihr bereit, dafür zu tun, um dem Wald wieder zu entfliehen?

Der Raum

Experience Dresden wagt sich tatsächlich an eine Outdoor-Kulisse heran – ein Immersionsbruch per se in einem Raum. Und doch haben sie es geschafft, eine richtig beeindruckende Kulisse zu schaffen. Das japanische Setting wirkt sehr originalgetreu und handwerklich hochwertig umgesetzt. Die Atmosphäre wird durch die nächtliche Lichtstimmung und eine passende Naturkulisse verstärkt, so dass die Immersion überzeugend gelingt. Die Schlichtheit der Kulisse und die überschaubare Anzahl an Dekoelementen können in anderen Räumen ein Grund für Kritik sein, doch in diesem Setting tragen sie zur Entschleunigung und dem Fokus auf die Story bei.
Während des weiteren Spielverlaufs wird die Atmosphäre und die Soundkulisse noch dichter. Einzig allein zum Finale hin hätten wir uns noch einen kreativeren Abschluss gewünscht, der dem Raum gerecht wird. 

An dieser Stelle möchten wir auch auf die Besonderheit des Raumes eingehen, nämlich die verschiedenen Handlungsstränge. Ohne zu viel Spoilern zu wollen, kann verraten werden, dass es verschiedene Interaktionen mit verschiedenen Charakteren geben kann. Dabei wurden wir zu Aktionen aufgefordert und standen teilweise vor dem Dilemma, wem wir vertrauen wollen und wem nicht. Und neben dem wunderschönen Setdesign ist das die tatsächliche Experience: Spielende erleben Ungewissheit über den Ausgang und die Tragweite ihrer Entscheidungen. Jeder strebt danach, einen bestmöglichen Ausgang der Geschichte zu haben, doch wie bekommt man diesen und was ist für die jeweilige Spielgruppe überhaupt der beste Ausgang der Geschichte? Das ist hochindividuell, genauso wie die Tiefe der Interaktion mit dem Gamemaster.

Die Rätsel

Obwohl das Augenmerk bei Huntington auf der Geschichte und nicht den Rätsel liegt, sind die Rätsel nicht lieblos und unkreativ. Vielmehr unterstützen sie die Geschichte durch ihre intuitive Art à la „Steck die gefundene Batterie in die Taschenlampe“.  Die Rätsel sind logisch, haptisch und kognitiv. Der Anteil an Exploration ist vorhanden, aber auf Grund der beschriebenen Kulisse natürlich überschaubar. Trotz der eher Zen-artigen Atmosphäre gibt es dank mancher Rätsel und Interaktionen dennoch positive Stressmomente, etwas in einer bestimmten Zeit schaffen zu müssen. 

Gamemaster/Schauspieler

Dieser Raum benötigt die Interaktion mit dem Gamemaster – sie ist essenziell. Der Gamemaster tritt als ein wichtiger Charakter der Geschichte auf und bringt so einerseits notwendigen Kontext in die Story und hilft andererseits den Spielenden, wenn sie mal nicht weiterkommen.

Die Tiefe der Interaktion hängt von der jeweiligen Gruppe ab, ist also auch für Spielende geeignet, die nicht jeden Freitag auf der Improvisationsbühne eines Theaters stehen. Da wir sehr redefreudig waren, gab es bei uns auch viele Dialoge mit dem Gamemaster. Das Tempo der Geschichte wird maßgeblich durch die Aktionen des Gamemaster mitbestimmt und das kann für Vielspielende ein ungewohntes Gefühl von Fremdbestimmtheit erzeugen. Die Leistung des Gamemasters ist hier hervorzuheben, weil das exakte Timing der Technik und dessen Improvisationstalent im Dialog mit den Spielenden maßgeblich zur Experience beitragen. 

Marias FAZIT

Ich hatte große Freude daran, diesen Raum zu spielen, da hier mehrere meiner Favoriten zusammen kamen: Ein wunderschönes Setting in Japan, Interaktionen und Emotionen. Gibt es Räume, die sich gar keine Gedanken zur Story machen, so gibt es hier eine sehr komplexe und durchdachte Story. Für manche kann die Geschichte zu komplex sein, doch das tut dem Unterhaltungswert keinen Abbruch. Die Interaktion mit dem Gamemaster und das Explorieren von Raum und Gegenständen hat sich teilweise überlappt, so dass ich manchmal nicht wusste, wo ich meine Aufmerksamkeit zuerst hinrichte. Dem kann jedoch Abhilfe verschafft werden, wenn man darauf vertraut, dass es nicht darum geht, alles so schnell wie möglich zu lösen, sondern sich ruhig auf den Gamemaster zu konzentrieren und die Geschichte zu genießen.

Sebastians FAZIT

Experience Dresden wagt mit ihrer Art Escape Abenteuer zu erzählen etwas Besonderes, was vielleicht auf den ersten Blick nicht jeden Spielenden überzeugen mag, jedoch definitiv ein Besuch wert ist. Tatsächlich unterscheidet sich Huntington von den Experiences, welche unter anderem Malte bisher gespielt hat. Hier gibt es keine Horror-Elemente und somit ist man nicht von Adrenalin vollgepumpt. Die Geschichte von Huntington ist wesentlich ruhiger erzählt, vielleicht manchmal auch etwas zu viel des Guten. Hier muss man sich bewusst auf das Erlebnis einlassen, so wie man sich in Huntington auch auf die Entscheidungen einlassen muss. Horror-Räume nehmen einem meistens die Entscheidung ab, Huntington nicht. Die Rätsel fühlen sich recht natürlich an und sind selten als solche zu erkennen, bis auf die beiden finalen Aufgaben. Soviel Mühe man sich hier mit dem Worldbuilding gegeben hat, umso enttäuschter war ich dann doch vom großen Finale. Denn dieses spielt sich hauptsächlich im Kopf ab und wird leider nicht allzu stark im Raum selbst transportiert. Aber dies ist Meckern auf hohem Niveau, denn ich schätze viel mehr was sich die beiden Betreiber von Experience Dresden getraut haben, als es wirklich zu kritisieren. Huntington ist ein Wagnis für Escape Room Fans, aber auf der anderen Seite ziehe ich meinen Hut vor dem Mut es in dieser Weise umzusetzen.

Mehr über Huntington von Experience Dresden hörst du auch in unserem Podcast:

Huntington
9.1 Escape Maniac
7.6 Leser (1 vote)
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1 Antwort

  1. 28. Juli 2022

    […] in doppelter Form. Sie sprachen in einer Podcast Folge über uns und schrieben eine sehr angenehme Bewertung. Unsere Freude war groß unser Enthusiasmus, der Bewertung von jetzt an um so gerechter zu werden, […]

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