[Im Test] Sonderermittlung: Flammen im Theater
Review – Sonderermittlung: Flammen im Theater
Ein abgebranntes Theater, eine tote Schauspielerin und gleich neun mögliche Verdächtige. Mit Sonderermittlung: Flammen im Theater schickt uns The Code Agency nicht in einen Escape Room, sondern an den heimischen Ermittlungstisch. Wir kennen den Anbieter bereits aus seinen aufwendig gestalteten Düsseldorfer Abenteuern. Umso neugieriger waren wir, ob sich dieses Gespür für Inszenierung auch in einer Spielschachtel wiederfinden würde.
Uns haben vor allem die authentische Ermittlungsakte und die überraschend direkte Einbindung von Telefon und Online-Kommunikation gefallen. Der Fall erzählt eine stimmige Geschichte, bleibt für erfahrene Krimifans aber eher leicht.
Was ist im Figaro-Theater passiert?
Sommer 2020, Kreimhausen. Im örtlichen Figaro-Theater steht eine Premiere bevor, doch ein Feuer beendet die Vorbereitungen abrupt. Die Schauspielerin Olga Brenning kommt dabei ums Leben. Die Polizei geht zunächst von einem technischen Defekt aus, doch einige Ungereimtheiten lassen Zweifel an dieser Erklärung aufkommen.
Als Sonderermittler erhalten wir eine Polizeiakte und sollen klären, ob sich hinter dem vermeintlichen Unfall ein Verbrechen verbirgt. Wir untersuchen Beweise, vergleichen Aussagen und versuchen, Motive und Alibis von neun verdächtigen Personen einzuordnen. Die Geschichte bleibt dabei erfreulich bodenständig. Statt einer überdrehten Verschwörung erwartet uns ein klassischer Kriminalfall, der von seinen Details lebt.
Die Ermittlungsakte ist mehr als bloß Papier
Schon beim Ausbreiten des Materials zeigt sich, wie viel Arbeit in der Gestaltung steckt. Mehr als 25 Beweismittel, darunter Polizeiberichte, Fotos, Zeitungsausschnitte und Dokumente aus dem Theaterumfeld, wollen gesichtet werden. Besonders gefallen haben uns die greifbaren Details, etwa eine angesengte Notiz im Beweisbeutel. Das ist keine notwendige Spielmechanik, macht die Ermittlungsakte aber deutlich glaubwürdiger.
Der Einstieg gelingt ohne langes Regelstudium. Nach einem kurzen digitalen Briefing können wir die Unterlagen untersuchen und eigene Vermutungen entwickeln. Das fühlt sich tatsächlich nach Ermittlungsarbeit an: Ein Hinweis für sich genommen verrät oft wenig, gewinnt aber Bedeutung, sobald er zu einer anderen Aussage passt. Wer alles nur kurz überfliegt, verschenkt einen großen Teil des Spielspaßes.
Wenn plötzlich das Telefon klingelt
Die eigentliche Besonderheit von Sonderermittlung liegt für uns allerdings außerhalb der Schachtel. Wir besuchen Webseiten, recherchieren digitale Spuren und können mit einem Kollegen der Spurensicherung kommunizieren. Sogar ein richtiger Telefonanruf gehört zum Konzept. Obwohl dahinter natürlich ein automatisierter Ablauf steckt, ist dieser Moment eine ungewöhnlich schöne Art, die Spielwelt mit unserem Alltag zu verbinden.
Über WhatsApp können weitere Informationen vom Tatort angefordert werden. Diese digitalen Kontakte passen gut zur Geschichte und unterscheiden das Spiel deutlich von vielen reinen Aktenkrimis. Wer bei einem Spieleabend bewusst das Smartphone zur Seite legen möchte, sollte allerdings wissen, dass es hier regelmäßig benötigt wird. Für die wichtigsten Informationen gibt es auch alternative Abrufmöglichkeiten über die Spielwebseite.
Ganz auf dem Niveau einer professionellen Produktion bewegen sich die Videos und Sprachaufnahmen nicht immer. Besonders beim Briefing hätten wir uns etwas mehr Atmosphäre gewünscht. Der Einfallsreichtum bei der Einbindung der Technik überzeugt uns dennoch.
Wie anspruchsvoll sind die Rätsel?
Wer von einem Escape-Room-Anbieter viele Zahlenschlösser, Codes und überraschende Mechaniken erwartet, könnte zunächst etwas enttäuscht sein. Sonderermittlung ist vor allem ein Detektivspiel. Es geht darum, Informationen gegeneinander abzuwägen, Widersprüche zu erkennen und Verdächtige auszuschließen. Einzelne klassische Rätsel, beispielsweise rund um digitale Zugänge, ergänzen die Spurensuche.
Die Zusammenhänge sind schlüssig aufgebaut. Uns gefiel, dass Lösungen nicht von weit hergeholten Gedankensprüngen abhängen. Gleichzeitig hätten wir uns als erfahrene Rätselspielende durchaus ein paar schwierigere Schlussfolgerungen gewünscht. Gerade bei den neun Verdächtigen wäre noch mehr Raum für überraschende Wendungen gewesen. Wenn ihr dagegen neu im Genre seid, dürfte euch das moderate Niveau entgegenkommen. Bei Bedarf hilft ein digitales Hinweissystem weiter.
Wie spielt es sich in der Gruppe?
Offiziell können bis zu sechs Personen ermitteln. Wir würden den Fall eher zu zweit oder zu dritt angehen. Dann kann jeder die Dokumente in Ruhe lesen und sich an der Diskussion beteiligen. In einer größeren Runde müssen dieselben Unterlagen häufig weitergereicht werden. Ein Zeitlimit gibt es nicht, weshalb ihr die Akte ohne Druck untersuchen könnt.
Positiv ist außerdem, dass das Spielmaterial während der Ermittlungen nicht zerstört werden muss. Ist der Fall gelöst, lässt sich alles wieder ordentlich zusammenstellen und an Freunde weitergeben. Selbst erneut rätseln könnt ihr dann natürlich kaum noch, schließlich kennt ihr die Auflösung.
Entscheidungshilfe
Für wen lohnt sich Sonderermittlung?
- Für Krimifans, die gerne Akten lesen, Alibis prüfen und Motive diskutieren.
- Für Escape-Room-Fans, die Lust auf ein stärker erzählerisches Spiel für zu Hause haben.
- Für Einsteiger, die einen nachvollziehbaren Detektivfall ohne Zeitdruck suchen.
- Für kleine Gruppen, die digitale Recherche als Teil des Spiels mögen.
Unser Fazit
Ein Kriminalfall, der über die Spielschachtel hinausgeht
Mit Sonderermittlung: Flammen im Theater hat The Code Agency einen unterhaltsamen Einstieg in die Welt der Krimispiele geschaffen. Die liebevoll zusammengestellte Polizeiakte lädt zum genauen Hinsehen ein. Besonders in Erinnerung bleiben aber die Momente, in denen das Spiel plötzlich über unser Smartphone mit uns kommuniziert. Diese Ideen machen die Spurensuche lebendiger.
Der Fall selbst dürfte für erfahrene Hobbydetektive gerne anspruchsvoller sein, und die audiovisuelle Inszenierung ist nicht immer auf demselben Niveau wie das physische Material. Trotzdem hatten wir Freude daran, die Hinweise zusammenzutragen und die Ereignisse im Theater zu rekonstruieren. Wer lieber einen schlüssigen Fall untersucht, als sich an kniffligen Einzelrätseln die Zähne auszubeißen, ist hier richtig.
Mehr von The Code Agency bei Escape Maniac
Wir kennen The Code Agency nicht nur vom Spieltisch. In Düsseldorf haben wir auch die Escape Rooms Hekates Tränen , Die Suche nach dem Zepter des Lichts und Der Poltergeist erlebt. In unseren Reviews erfahrt ihr, wie sich die Live-Abenteuer im Vergleich schlagen.
