The New World – Le Donjon – Escape Room Paris
Review – The New World (Le Nouveau Monde) – 3 Spielende
Einen Piraten mitten in Paris sieht man auch nicht alle Tage. Doch genau dieser erwartet uns am Place de la République. Unser Abenteuer bei Le Donjon beginnt nicht wie üblich direkt vor der Eingangstür eines Escape Rooms, stattdessen werden wir von einem Piraten abgeholt, der uns auf unsere bevorstehende Reise einstimmt.
Ein ungewöhnlicher und durchaus charmanter Auftakt. Während um uns herum der Pariser Alltag seinen gewohnten Lauf nimmt, beginnt für uns bereits die Reise in eine andere Welt.
The New World (Le Nouveau Monde) wurde im Frühjahr 2026 eröffnet und bildet das achte und letzte Kapitel der zusammenhängenden Geschichte von Le Donjon. Nach Vampiren, Tempelrittern, Alchemie und Hexerei widmet sich der Pariser Anbieter diesmal einem klassischen Piratenabenteuer.
Allerdings kannten wir die sieben vorherigen Kapitel nicht. Ob wir der übergreifenden Handlung trotzdem folgen könnten, war deshalb eine unserer Fragen vor dem Besuch.
Doch zunächst hieß es, unserem Piraten zu folgen und Kurs auf die Neue Welt zu nehmen.
The New World (Le Nouveau Monde)

ANBIETERBESCHREIBUNG
Monsieur le Comte hegt eine neue Hoffnung auf seinem Streben nach Unsterblichkeit: den Jungbrunnen. Er beauftragt dich, das nächste Schiff zu infiltrieren, das Kurs auf die Neue Welt nimmt. Du wirst dich allen Gefahren stellen müssen, die der Ozean bereithält: Sirenen, einem Kraken und furchterregenden Piraten.
Der Raum
Eine Schiffsreise und ein Abenteuer im Dschungel, das klingt nach einer großen Unternehmung. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig Platz Le Donjon benötigt, um diese Reise zu inszenieren.
The New World gehört sicherlich nicht zu den größten Escape Rooms, die wir bisher gespielt haben. Dennoch gelingt es dem Anbieter, die begrenzte Spielfläche ausgesprochen kreativ zu nutzen. Die unterschiedlichen Schauplätze sind geschickt miteinander verbunden und schaffen es das Gefühl einer Reise zu vermitteln, als es die tatsächlichen Dimensionen zunächst vermuten lassen.
Besonders überzeugt die hochwertige Gestaltung. Man merkt The New World an, wie viel Liebe zum Detail die Macher von Le Donjon in den Bau ihrer Räume fließen lassen. Die sorgfältig ausgewählten Materialien, aufwendig gestalteten Kulissen und passenden Requisiten ergeben eine stimmige Abenteuerwelt. Ein besonderes Lob verdienen auch Kostüme und Masken, die den Charakteren eine beeindruckende Präsenz verleihen.
Hinzu kommen gelungene Spezialeffekte sowie eine makellose Licht- und Soundinszenierung. Alles greift harmonisch ineinander und sorgt für eine dichte Atmosphäre.
Bei aller Begeisterung für die kreative Raumnutzung hätten wir uns stellenweise dennoch etwas großzügigere Dimensionen gewünscht. Gerade eine Geschichte dieser Größenordnung hätte durch mehr Platz an einigen Stellen zusätzliche Wucht entfalten können. Entsprechend empfehlen wir, mit maximal vier Personen zu spielen, um die begrenzten Räumlichkeiten nicht unnötig zu überfüllen. Manche Raumhöhen entsprechen sicherlich den Gegebenheiten der damaligen Zeit, doch können für hochgewachsene Spielende eine eigene Herausforderung darstellen.
Positiv überrascht hat uns, wie gut die übergreifende Geschichte auch ohne Vorkenntnisse funktioniert. Obwohl wir die vorherigen Kapitel nicht kannten, bekamen wir ein gutes Gefühl für die Zusammenhänge und Charaktere. Sicherlich dürfte das Finale für langjährige Begleiter der Reihe noch einmal eine andere Bedeutung haben, doch auch für uns war die Handlung nachvollziehbar.
Die Rätsel
Während uns Le Donjon mit seiner Inszenierung begeistert, können die Rätsel da nicht ganz mithalten. Die überwiegend klassisch inszenierten, thematisch eingebetteten Aufgaben funktionieren zwar gut, wirklich überrascht wurden wir als erfahrene Spielende allerdings selten.
Etwas gestört hat uns die teilweise sehr direkte Spielerführung. Audioeinspielungen und schriftliche Hinweise machten häufig recht deutlich, was als Nächstes zu tun war. Dadurch kamen wir zwar flüssig voran, hatten aber kaum Gelegenheit, die Spielwelt auf eigene Faust zu erkunden oder Zusammenhänge selbst zu entdecken. Für Einsteiger mag das durchaus hilfreich sein, uns wurde stellenweise jedoch etwas zu viel abgenommen.
Besonders schade fanden wir einzelne Momente, in denen wir das Gefühl hatten, nun selbst aktiv werden zu können, in denen die Geschichte dann aber gefühlt ohne unser Zutun weitererzählt wurde. Hier hätten wir uns gewünscht, stärker ins Geschehen eingebunden zu werden bzw. die Konsequenzen unseres Handels zuverstehen.
Unterm Strich bietet The New World ein solides, zugängliches Rätseldesign. Wir würden uns allerdings etwas mehr Vertrauen in die Eigeninitiative der Spielenden wünschen – sowohl beim Lösen der Aufgaben als auch beim Vorantreiben der Geschichte.
Gamemaster
Ein wesentlicher Bestandteil von The New World ist das Schauspiel. Bereits die Abholung am Place de la République zeigt, dass Le Donjon seine Geschichte nicht erst hinter der Eingangstür beginnen lässt.
Im Verlauf des Abenteuers schlüpft unser Gamemaster in unterschiedliche Rollen und überzeugt dabei mit gutem Timing, glaubwürdigen Auftritten und einem Humor, der uns immer wieder zum Lachen bringt.
Stärker inszenierte, eher passive Passagen wechseln sich mit direkter Interaktion ab. Gerade diese Mischung verleiht dem Abenteuer zusätzliche Lebendigkeit. Die Begegnungen sind abwechslungsreich, gelegentlich humorvoll und fügen sich stimmig in die Handlung ein.
Besonders in der direkten Kommunikation überzeugt unser Gamemaster durch sein sicheres Auftreten und die Fähigkeit, auf uns als Gruppe einzugehen.
Unser Fazit
Mit The New World (Le Nouveau Monde) hat Le Donjon ein gelungenes Piratenabenteuer geschaffen, dessen größte Stärke in der liebevollen Inszenierung liegt. Die hochwertige Ausstattung, hervorragenden Kostüme und Masken sowie die gelungenen Spezialeffekte zeigen, wie viel Sorgfalt in diesem Erlebnis steckt.
Beeindruckend ist vor allem, wie viel Abenteuer der Anbieter auf vergleichsweise kleiner Fläche unterbringt. Allerdings hätten wir uns stellenweise etwas mehr Raum gewünscht, um der Geschichte zusätzliche Wucht zu verleihen.
Das überzeugende Schauspiel und die auch ohne Vorkenntnisse verständliche Handlung runden das Erlebnis ab. Die Rätsel bleiben dagegen recht konventionell inszentiert. Hinzu kommt eine teilweise sehr direkte Spielführung, die zwar für einen flüssigen Ablauf sorgt, aber wenig Raum für eigenständige Entdeckungen lässt.
The New World eignet sich damit besonders für Teams, die sich gerne auf eine Geschichte einlassen und Freude an detailreich gestalteten Spielwelten haben. Erfahrene Spielende, die vor allem Herausforderungen und Exploration suchen, dürften spielerisch etwas weniger gefordert werden.
Und manchmal beginnt eine solche Reise eben mit einem Piraten mitten in Paris.
