[Im Test] Skeleton Stories: Geister in den Wänden
Review – Krimispiel im Test · Skeleton Stories
Ein mysteriöser Todesfall, eine umfangreiche Ermittlungsakte und die Frage, ob sich hinter den Ereignissen tatsächlich etwas Übernatürliches verbirgt. Mit Skeleton Stories: Geister in den Wänden bringen die Macher von Escape Stories Wuppertal ihre düstere Erzählwelt an den heimischen Spieltisch. Wir haben den ersten Fall selbst gespielt. Und obwohl uns die Ermittlungen nicht allzu sehr ins Schwitzen gebracht haben, ist uns vor allem eine ungewöhnliche Aufgabe in Erinnerung geblieben.
Hochwertige Beweismittel, eine stimmungsvolle digitale Begleitung und ein paar schöne Überraschungen machen die Ermittlungen unterhaltsam. Erfahrene Krimispiel-Fans dürften den Fall allerdings eher leicht finden.
Ein Todesfall zwischen Trauer und Geistergeschichten
Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die 15-jährige Sarah mit ihrem Vater in die Kleinstadt Radenau. Während er versucht, einen Neuanfang zu finden, beschäftigt sich Sarah zunehmend mit Geisterbeschwörungen. Sie hofft, noch einmal Kontakt zu ihrer Mutter aufnehmen zu können. Drei Monate später wird sie tot in einem Waldstück entdeckt.
Was ist passiert? Handelt es sich um ein gewöhnliches Verbrechen oder haben die merkwürdigen Ereignisse tatsächlich einen paranormalen Hintergrund? Im Auftrag des Parapsychologen Dr. Corvus sollen wir den Todesfall rekonstruieren und fünf auffällige Phänomene einordnen. Genau diese zusätzliche Fragestellung unterscheidet Geister in den Wänden von klassischen Detektivspielen.
Viel Material und ein überzeugendes Ermittlungsgefühl
Bevor wir überhaupt loslegen dürfen, müssen wir zunächst einen kleinen Eignungstest bestehen. Das ist eine nette Idee, die den Kontakt zu Dr. Corvus vorbereitet, bevor wir unsere Fallakte ausbreiten. Und die hat es durchaus in sich: Rund 40 Dokumente, darunter Polizeiberichte, Briefe, Zeitungsausschnitte und digitale Spuren, wollen gelesen, sortiert und miteinander abgeglichen werden.
Die Unterlagen haben uns besonders gut gefallen. Statt einer bloßen Sammlung ausgedruckter A4-Seiten bekommen wir abwechslungsreiches, hochwertig gestaltetes Material. Man merkt, dass sich die Macher Gedanken darüber gemacht haben, wie die einzelnen Beweisstücke in der Spielwelt aussehen müssten. Wir haben uns zunächst einen Überblick über die beteiligten Personen verschafft und nach und nach ihre Beziehungen zueinander rekonstruiert.
Zu dritt lässt sich das Material gut aufteilen und anschließend gemeinsam besprechen. Dabei profitiert das Spiel davon, dass Aussagen nicht einfach nacheinander abgearbeitet werden. Neue Informationen können frühere Vermutungen verändern. Allerdings sind manche Zusammenhänge für geübte Hobbydetektive recht schnell erkennbar.
Dr. Corvus übernimmt die digitale Begleitung
Das eigentliche Herzstück neben der Fallakte ist die digitale Anwendung. Hier sprechen wir mit Dr. Corvus, sehen Videos, hören Audiodateien, nutzen simulierte Telefonate und greifen auf zusätzliche Informationen zu. Auch die fünf zu prüfenden Phänomene werden hier festgehalten. Uns gefiel besonders, dass der sichtbare Spielfortschritt jederzeit eine gute Orientierung gibt.
Anders als bei manchem anderen Krimispiel müssen wir dafür nicht mit unserer privaten Telefonnummer hantieren oder im offenen Internet nach fiktiven Seiten suchen. Alles bleibt innerhalb der Spielumgebung. Das ist komfortabel, wirkt an einzelnen Stellen aber auch etwas weniger echt. Beim Spielen am Rechner lief die Anwendung in unserer Runde problemlos. Dass andere Spielgruppen über technische Schwierigkeiten berichtet haben, zeigt allerdings, wie wichtig eine zuverlässige digitale Umsetzung bei diesem Konzept ist.
Die Hintergrundmusik und die professionell wirkenden Sprachaufnahmen unterstützen die leicht bedrohliche Stimmung. Besonders schön fanden wir eine zusätzliche praktische Aufgabe, die uns kurz vom Aktenstudium wegführte. Bei uns sorgte sie sogar für einen ziemlich kuriosen Moment mit der Nachbarschaft. Mehr verraten wir bewusst nicht. Genau solche kleinen Einfälle lockern das ansonsten sehr dokumentenlastige Spiel auf.
Wie schwierig und wie gruselig ist der Fall?
Wer regelmäßig anspruchsvolle Ermittlerspiele löst, dürfte bei Geister in den Wänden eher am unteren Ende des Schwierigkeitsgrads unterwegs sein. Wir hatten vergleichsweise schnell eine Vermutung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte. Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb weniger darin, den Fall grundsätzlich zu durchschauen, sondern darin, für die fünf Phänomene passende Belege zu finden und die eigenen Einschätzungen zu begründen.
Das funktioniert gut und gibt den Ermittlungen eine klare Struktur. Falls ihr feststeckt, könnt ihr Dr. Corvus anhand der Nummern der Beweisstücke um Hinweise bitten. Wir benötigten diese Unterstützung nicht. Deutlich schneller als die angegebenen zwei bis drei Stunden waren wir ebenfalls durch, sogar mit kleinen Unterbrechungen.
Und der Horror? Keine Sorge, ihr müsst hier nicht dieselbe Nervenstärke mitbringen wie bei einem Besuch von The Dark Forest oder Asylum of Fear . Die düstere Geschichte und die Atmosphäre passen zum Mysterythema, echte Schockmomente stehen aber nicht im Vordergrund. Für Kinder würden wir den Fall aufgrund der Themen und des hohen Leseanteils dennoch nicht empfehlen.
Entscheidungshilfe
Für wen eignet sich Geister in den Wänden?
- Für Fans von Krimispielen, die gern umfangreiche Fallakten untersuchen.
- Für Mysteryfans, die eine unheimliche Geschichte ohne intensiven Horror erleben möchten.
- Für kleine Teams, die gemeinsam diskutieren und digitale Inhalte einbeziehen wollen.
- Für Einsteiger, die einen zugänglichen Fall mit klarer Aufgabenstellung suchen.
Unser Fazit
Stimmungsvolle Ermittlungen mit Luft nach oben
Skeleton Stories: Geister in den Wänden ist ein gelungener Auftakt, der vor allem durch seine hochwertige Fallakte und die multimediale Präsentation überzeugt. Der Kontakt zu Dr. Corvus, die passende Soundkulisse und eine ungewöhnliche praktische Aufgabe sorgen dafür, dass sich das Spiel nicht wie ein beliebiger Aktenkrimi anfühlt.
Mehr Anspruch hätten wir uns dennoch gewünscht. Als erfahrene Spielende konnten wir manches recht früh einordnen und waren schneller fertig als erwartet. Für uns überwiegt trotzdem der Spaß an der Geschichte und ihrer Inszenierung. Besonders interessant ist außerdem, wie sich die Geschichte in die zusammenhängende Horror-Stories-Welt von Escape Stories Wuppertal einfügt. Dr. Corvus stammt aus Floresti, jenem fiktiven Ort in Transsilvanien, der auch für die Horror-Escape-Rooms The Dark Forest und Asylum of Fear eine Rolle spielt. So erweitert das Krimispiel die bekannte Welt um eine eigene Perspektive, ohne dass ihr die Escape Rooms vorher gespielt haben müsst. Wer sich nicht gleich in ein finsteres Asylum wagen möchte, bekommt hier einen wesentlich entspannteren Einstieg.
