[Im Test] Murdoku: Kleine Mordfälle mit Sudoku-Twist
Review – Murdoku: Kleine Mordfälle mit Sudoku-Twist
Eine Leiche, ein paar Verdächtige und jede Menge freie Kästchen. Bei Murdoku lösen wir Mordfälle, indem wir Personen auf einem gezeichneten Tatort verteilen. Das erinnert an Sudoku, kommt aber ohne die üblichen Zahlen aus. Stattdessen müssen wir herausfinden, wer wo gestanden hat – und wer dem Opfer dabei verdächtig nahe war.
Wir haben uns nach und nach durch den ersten Band gerätselt. Die Idee ist ein lustiger Twist für das Sudoku-Genre. Wer wegen der bunten Tatorte auf leichte Kost hofft, sollte sich allerdings nicht täuschen lassen. Je weiter wir im Buch vorankamen, desto mehr mussten wir überlegen.
Wie wird aus Sudoku ein Mordfall?
Vor euch liegt ein gezeichneter Tatort aus der Vogelperspektive. Räume, Möbel und andere Gegenstände sind in ein Raster eingeordnet. Dazu bekommt ihr eine Gruppe Verdächtiger und Hinweise auf deren Aufenthaltsorte.
Jetzt müsst ihr die Personen so verteilen, dass sämtliche Angaben zusammenpassen. Dabei gilt eine wichtige Grundregel: In jeder Zeile und jeder Spalte befindet sich genau eine Person. Eine sichere Platzierung schließt deshalb sofort andere Felder aus. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten, weitere Ausschlüsse und irgendwann die Lösung des Falls.
Das Prinzip lässt sich schnell erklären. Beim Lösen steckt die Arbeit dann in den Zusammenhängen. Ein Hinweis allein hilft vielleicht noch nicht weiter. Zusammen mit einer bereits platzierten Person kann er plötzlich genau die Information liefern, die zuvor gefehlt hat.
Der erste deutsche Band von Manuel Garand enthält 80 Fälle auf 208 Seiten . Die Schauplätze wechseln dabei unter anderem zwischen Buchladen, Restaurant und Opernsaal. Weitere Buchinformationen findet ihr beim riva Verlag.
Der Tatort gehört zum Rätsel
Die gezeichneten Räume geben den Überlegungen einen konkreten Ort. Ihr schaut auf den Plan, lest einen Hinweis und prüft, welche Positionen überhaupt infrage kommen. Möbel und andere Details sind dabei Teil der Aufgabe.
Das unterscheidet Murdoku von einer bloßen Tabelle mit Namen. Ihr rekonstruiert eine Situation. Wer kann sich in diesem Bereich aufgehalten haben? Welcher Platz fällt durch einen anderen Hinweis weg? Und was bedeutet das für die übrigen Personen?
Die wechselnden Tatorte geben dem Grundprinzip immer wieder eine andere Umgebung. Trotzdem bleibt klar, worum es geht: genau hinschauen, Hinweise verbinden und Möglichkeiten ausschließen. Die Mordermittlung findet vor allem im Raster statt.
Wie anspruchsvoll sind die Rätsel?
Wir haben Band 1 immer wieder zur Hand genommen und uns Stück für Stück durch die Fälle gearbeitet. Dafür eignet sich die Sammlung gut. Es muss kein ganzer Rätselabend werden; manchmal reicht auch die Lust auf die nächste Aufgabe.
Mit der Zeit wurde das allerdings anspruchsvoller. Am Anfang macht ihr euch mit dem Zusammenspiel aus Hinweisen und Raster vertraut. Später müsst ihr genauer überlegen, welche Folgen eine Platzierung an anderer Stelle hat. Dass jemand dort stehen könnte, reicht eben noch lange nicht aus.
Genau darin liegt für uns der Reiz. Murdoku übernimmt das vertraute Ausschließen aus Sudoku und gibt ihm einen anderen Anlass. Wir suchen keine fehlende Zahl, sondern den richtigen Platz für eine verdächtige Person. Die Denkarbeit bleibt erhalten.
Die Aufmachung sollte deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass die späteren Fälle Konzentration verlangen. Der Einstieg mag überschaubar sein. Dabei bleibt es aber nicht.
Wie viel Krimi steckt darin?
Die Mordfälle liefern den Rahmen für die Logikaufgaben. Ihr sammelt keine Beweisstücke in Umschlägen, führt keine ausführlichen Verhöre und verfolgt auch keinen großen Fall über das gesamte Buch. Im Mittelpunkt steht jeweils der einzelne Tatort.
Wer eine zusammenhängende Krimigeschichte erwartet, sollte das vorher wissen. Die Figuren sind vor allem die Personen, deren Positionen ihr anhand der Hinweise bestimmen müsst. Ihre Plätze sind für die Aufgabe wichtiger als ausführliche Lebensgeschichten.
Das passt zum Format. Murdoku möchte ein Rätselbuch sein, zu dem ihr immer wieder zurückkehren könnt. Die nächste Seite bringt einen neuen Fall, ohne dass ihr erst sämtliche Entwicklungen der vorherigen Ermittlungen im Kopf haben müsst.
Digital ausprobieren
Erst einmal selbst ermitteln?
Wenn ihr euch unter der Mischung noch wenig vorstellen könnt, könnt ihr Murdoku kostenlos im Browser ausprobieren . Online stehen euch 40 Rätsel zur Verfügung. So merkt ihr schnell, ob euch das Platzieren der Personen und Ausschließen der Felder liegt.
Gerade bei einem Rätselbuch mit einem durchgehenden Grundprinzip ist das praktisch. Gefällt euch diese Art zu denken, bekommt ihr mit dem Buch weitere Fälle auf Papier. Wer schon beim Proberätsel merkt, dass ihm das Arbeiten im Raster wenig Spaß macht, wird vermutlich auch mit einem anderen Tatort nicht plötzlich warm damit.
Murdoku kostenlos ausprobierenEntscheidungshilfe
Für wen lohnt sich Murdoku?
- Für Sudoku-Fans, die Abwechslung suchen. Das logische Ausschließen bleibt vertraut, bekommt durch die Tatorte aber einen anderen Zugang.
- Für Fans von Logicals. Wenn ihr gerne Hinweise miteinander verbindet und aus einer Erkenntnis die nächste ableitet, passt Murdoku gut zu euch.
- Für Rätselnde, die lieber regelmäßig eine Aufgabe lösen als einen ganzen Spieleabend planen. So haben auch wir uns nach und nach durch den ersten Band gearbeitet.
Unser Fazit
Ein schöner Twist für Sudoku-Fans
Murdoku macht aus einem vertrauten Rätselprinzip eine kleine Mordermittlung. Die Verdächtigen auf den gezeichneten Tatorten zu verteilen, ist eine unterhaltsame Idee. Gleichzeitig bleibt genug Denkarbeit übrig: Je weiter wir im ersten Band vorankamen, desto anspruchsvoller wurden die Aufgaben.
Uns gefällt dieser Twist zum Sudoku-Genre. Das Buch lässt sich gut nach und nach angehen und richtet sich vor allem an Menschen, die Freude am logischen Ausschließen haben. Wer dazugehört, sollte ruhig einmal einen digitalen Fall ausprobieren. Vielleicht bleibt es anschließend ja doch nicht bei dieser einen Ermittlung.
