Le Taxidermiste – Deep Inside – Escape Room Paris
review – Le taxidermiste – 3 spielende
Eigentlich möchten wir nur ein Buch abholen. Zumindest ist das die Geschichte, mit der wir die Buchhandlung von Deep Inside betreten. Der französische Titel stellt unsere Aussprache noch kurz auf die Probe, doch wenig später öffnet sich für uns der Zugang zu einer ganz anderen Welt.
Unter den Straßen von Paris liegt die Stadt der Märtyrer. Ein Ort mit eigenen Bewohnern, verwinkelten Gassen und einigen Geheimnissen. Für Malte ist es eine Rückkehr. Er hat bei seinem früheren Besuch bereits die Full Experience gespielt, die The Magician of Paris und The Funhouse miteinander verbindet. Entsprechend bringt er eine besondere Verbindung zur Stadt und ihren Bewohnern mit. Zwei von uns betreten diese Welt dagegen zum ersten Mal.
Le Taxidermiste, allein der Name verlangt unserer Zunge schon einiges ab. Gemeint ist schlicht der Tierpräparator. Das lässt sich leichter aussprechen, klingt allerdings auch nicht unbedingt nach einem Geschäft, in dem wir spontan einen gemütlichen Nachmittag verbringen würden.
Unser Auftrag führt uns zum Geschäft des Präparators Martin Joly. Adèle, die Tochter des Gouverneurs, ist verschwunden und wurde zuletzt in seiner Begleitung gesehen. Als vermeintliche Kundschaft sollen wir uns im Laden umsehen und herausfinden, was passiert ist.
Ein merkwürdiger Präparator und ein verschwundenes Mädchen. Eine Kombination, bei der wir uns auf einiges gefasst machen.
Le Taxidermiste

ANBIETERBESCHREIBUNG
Eure Mission besteht darin, 30 Meter unter Paris in die „Stadt der Märtyrer“ hinabzusteigen, um zum Präparatorenladen zu gelangen und euch dort als Käufer auszugeben.
Ihr müsst einen Weg finden, allein im Laden zu sein, um ihn gründlich zu erkunden – in der Hoffnung, die Geheimnisse dieses Verschwindens zu lüften und Adèle zu finden.
Der Raum
Besonders gut gelingt Deep Inside der Übergang in seine Spielwelt. Von der Buchhandlung bis zur Ankunft in der Stadt werden wir Schritt für Schritt ins Abenteuer hineingezogen. Wenn wir schließlich vor dem Geschäft des Präparators stehen, fühlt sich der Pariser Alltag bereits erstaunlich weit entfernt an.
Bereits die Ankunft in der Stadt der Märtyrer zeigt, welchen gestalterischen Anspruch Deep Inside verfolgt. Die Abenteuer des Anbieters sind Teil einer gemeinsamen Welt. Wir bewegen uns an anderen Schauplätzen vorbei und begegnen Figuren, die diesen Ort mit Leben füllen. Dadurch fühlt sich unser Besuch wie die Erkundung einer Stadt an, deren Geschichte weit über unseren eigenen Auftrag hinausgeht.
Malte freut sich besonders darüber, wie sich die Umgebung seit seinem letzten Besuch weiterentwickelt hat. Neue Bereiche ergänzen die bekannten Orte und machen neugierig auf das, was hinter den nächsten Türen wartet. Auch wir als Erstbesucher verstehen sofort, weshalb er gerne zurückgekommen ist.
Besonders beeindruckt uns die konsequente Nutzung des vorhandenen Platzes. Im Vergleich zu manch anderem Erlebnissen wirkt die Anlage auf uns eher kompakt und verwinkelt. Dafür ist jeder Winkel sorgfältig gestaltet. Wohin wir auch schauen, bleibt die Welt glaubwürdig.
Das setzt sich im Geschäft des Präparators fort. Hochwertige Möbel, passende Materialien und zahlreiche Requisiten geben dem Laden einen ganz eigenen Charakter. Es lohnt sich, die Umgebung genau zu betrachten und die vielen Details auf sich wirken zu lassen.
Licht und Musik sind hervorragend auf das Geschehen abgestimmt. Ein Effekt, bei dem gerade die Beleuchtung eine wesentliche Rolle spielt, bleibt uns besonders in Erinnerung. Die effektreiche Inszenierung schafft immer wieder Momente, in denen wir kurz innehalten und einfach zuschauen möchten.
Die Atmosphäre ist düster und stellenweise beklemmend. Ein klassischer Horrorraum ist Le Taxidermiste dennoch nicht. Die Wirkung entsteht vor allem aus der Geschichte und den Figuren, denen wir begegnen. Dabei geht es auch um Tod und ernste Themen. Die Inhaltshinweise des Anbieters solltet ihr deshalb vor der Buchung beachten.
Die Rätsel
Le Taxidermiste verbindet klassische Rätsel mit Aufgaben, die sich aus unserem Auftrag ergeben. Wir untersuchen den Laden, stellen Zusammenhänge her und erfahren dabei nach und nach mehr über die Ereignisse.
Die Aufgaben sind schlüssig aufgebaut und sinnvoll in die Umgebung eingebunden. Einige Mechanismen dürften erfahrenen Teams vertraut vorkommen, passen hier aber gut zur Geschichte. Wir verstehen, weshalb wir etwas tun und wie unsere Entdeckungen die Ermittlung voranbringen.
Die Geschichte entwickelt sich durch Gespräche, Entdeckungen und Aufgaben weiter. Wir erfahren ihre Hintergründe während unserer Ermittlung, sodass sich Spielen und Erzählen ganz selbstverständlich ergänzen. Dazwischen gibt es Szenen, in denen wir kurz innehalten und dem Geschehen folgen. Stellenweise erinnert das an ein Theaterstück, in dem wir selbst mitspielen. Dieser Wechsel funktioniert für uns hervorragend. Wer vor allem eine hohe Rätseldichte sucht, sollte allerdings wissen, dass die Geschichte den Rhythmus bestimmt.
Trotz der ernsten Themen gibt es auch Raum für Humor und Skurrilität. Eine gemeinsame Situation lockert das Geschehen überraschend auf und macht uns großen Spaß. Gerade solche Momente verleihen der Stadt und ihren Bewohnern zusätzlichen Charme.
Alle Abenteuer von Deep Inside sind unabhängig voneinander spielbar. Ihr müsst die anderen Räume deshalb nicht kennen, um Le Taxidermiste zu erleben und seiner Geschichte zu folgen. Im Spiel sind allerdings einige Easter Eggs versteckt, die Kenner der übrigen Abenteuer besonders zu schätzen wissen. Für Malte ergeben sich dadurch schöne Wiedererkennungsmomente, während wir anderen die Welt unvoreingenommen entdecken.
Schauspieler
Die Begegnungen mit den Figuren gehören zu den größten Stärken von Le Taxidermiste. Durch sie entwickelt sich die Geschichte unmittelbar vor uns weiter. Wir sprechen mit den Bewohnern, beobachten ihr Verhalten und versuchen einzuschätzen, was hinter ihren Worten steckt.
Besonders der Präparator und sein Händler bleiben uns in Erinnerung. Kostüme, Körperhaltungen und Bewegungen ergeben markante Figuren, die hervorragend zu ihrem Geschäft passen. Die leicht vogelhafte Erscheinung des Präparators wirkt eigenwillig und macht sofort neugierig.
Es lohnt sich, auf die Figuren einzugehen, Gespräche aufzugreifen und die eigene Rolle als vermeintliche Kundschaft ein wenig anzunehmen. Dafür braucht ihr kein schauspielerisches Talent. Die Bereitschaft, mitzuspielen und auf die Bewohner zu reagieren, reicht aus. Gerade daraus entstehen die persönlichen, mal skurrilen und mal berührenden Momente des Abenteuers.
Im Verlauf verändert sich unser Blick auf die Figuren. Wir erfahren mehr über ihre Beweggründe und müssen erste Vermutungen überdenken. Dadurch bekommt unsere Suche nach Adèle zunehmend eine persönliche Bedeutung.
Auch das Zusammenspiel mit Video- und Audiosequenzen überzeugt. Die Aufnahmen sind hochwertig produziert und unterstützen die gespielten Szenen wirkungsvoll.
Die englischsprachige Umsetzung funktioniert bei unserem Besuch ebenfalls sehr gut. In wichtigen Momenten werden die Darstellungen teilweise durch professionell eingesprochene Aufnahmen ergänzt. Die Verbindung aus Schauspiel und Ton wirkt stimmig und hält die Geschichte gut verständlich. Bei direkten Gesprächen passt ein französischer Akzent selbstverständlich zur Umgebung.
Sicheres Englisch ist dennoch hilfreich. Die Dialoge tragen wesentlich dazu bei, die Figuren und ihre Geschichte zu verstehen.
Unser Fazit
Le Taxidermiste gehört für uns zu den Highlights unserer Paris-Reise. Deep Inside verbindet eine außergewöhnlich sorgfältig gestaltete Spielwelt mit überzeugendem Schauspiel und einer Geschichte, die uns über das eigentliche Spiel hinaus beschäftigt.
Besonders die Begegnungen mit den Figuren bleiben in Erinnerung. Sie bringen uns zum Schmunzeln, machen neugierig und verändern unseren Blick auf das Geschehen. Als unser Gamemaster anschließend fragt, wie es uns gefallen hat, brauchen wir zunächst einen Moment zum Durchatmen. Dies ist kein Thema, wo man am Ende freudestrahlend das Abenteuer verlässt.
Die emotionale Wirkung fällt innerhalb unserer Gruppe unterschiedlich stark aus. Bereits gelesene Berichte haben bei einem von uns hohe Erwartungen geweckt, während andere unvoreingenommener in die Geschichte eintauchen. Deshalb unser Tipp: Lasst euch möglichst wenig vorwegnehmen und gebt dem Erlebnis Gelegenheit, seine eigene Wirkung zu entfalten.
Wir würden Le Taxidermiste mit drei bis vier Personen besuchen. So bleibt genügend Raum für die Aufgaben, die direkten Begegnungen und die vielen Details.
Wer sorgfältig gestaltete Welten, starkes Schauspiel und berührende Geschichten schätzt, sollte diesem ungewöhnlichen Geschäft unbedingt einen Besuch abstatten.
The Taxidermist besprechen wir auch in unserem Podcast
On the Road #20 – Die Geschichtenerzähler von Paris
Ab 00:02:59 sprechen wir über The Taxidermist.
