[Im Test] Carp City: Die Stadt des tanzenden Karpfens

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Review – Carp City: Die Stadt des tanzenden Karpfens

Eine riesige Stadt, unzählige kleine Geschichten und ein Fest, für das noch jede Menge Vorbereitungen fehlen. Carp City: Die Stadt des tanzenden Karpfens sieht zunächst wie ein besonders aufwendiges Wimmelbuch aus. Tatsächlich steckt darin aber ein interaktives Abenteuer, bei dem wir Personen helfen, Gegenstände sammeln und die Stadt mit Stickern nach und nach verändern. Gerade dieses ungewöhnliche Konzept macht Carp City so interessant.

Unsere kurze Einordnung

Carp City verbindet außergewöhnlich detailreiche Wimmelbilder mit einem überraschend verzweigten Rätselabenteuer. Die Geschichten greifen geschickt ineinander, sodass wir immer wieder umdenken und an anderer Stelle weitersuchen mussten. Über mehrere Wochen hat uns die Stadt begleitet und immer wieder zurück an den Spieltisch gelockt.

Moritz Verlag Aleksandra Mizielińska & Daniel Mizieliński Ab 8 Jahren Allein oder gemeinsam Über viele Spielstunden Material wird verändert
Carp City: Die Stadt des tanzenden Karpfens, Buchspiel vom Moritz Verlag
Carp City: Die Stadt des tanzenden Karpfens

Eine Stadt voller kleiner Aufträge

In Carp City laufen die Vorbereitungen für das Fest des siebenarmigen Orang-Utans. Allerdings scheint noch längst nicht alles bereit zu sein. Überall benötigen die Bewohnerinnen und Bewohner Unterstützung. Mal fehlt ein Gegenstand, mal muss eine Person gefunden oder ein Problem gelöst werden. Eine große Hauptgeschichte, die uns streng von Aufgabe zu Aufgabe führt, gibt es nicht. Stattdessen entscheiden wir selbst, wo wir beginnen und welchen Spuren wir als Nächstes folgen.

Das Prinzip ist angenehm unkompliziert. Auf den 25 großformatigen Wimmelbild-Doppelseiten entdecken wir nummerierte Szenen. Im separaten Stadtführer schlagen wir die passende Nummer nach und erfahren, was es dort zu tun gibt. Erhaltene Gegenstände landen auf einer Rucksackliste, wichtige Begriffe auf einer Stichwortliste. Beide können später neue Textabschnitte freischalten. Damit erinnert das Buch an ein Point-and-Click-Adventure, nur eben vollständig auf Papier.

Zwischen Suchbild und Rätselabenteuer

Gerade am Anfang kann die Menge an Details erschlagen. Fast jede Ecke der Stadt erzählt ihre eigene kleine Geschichte, und manche gesuchten Orte oder Figuren springen nicht sofort ins Auge. Die grünen Nummern helfen beim Einstieg: Ihre Aufgaben lassen sich direkt auf der jeweiligen Doppelseite erledigen. Später müssen wir deutlich häufiger durch das Buch blättern, frühere Beobachtungen aufgreifen und Informationen miteinander verbinden.

Was zunächst wie eine Sammlung einfacher Suchaufgaben aussieht, wird mit der Zeit deutlich fordernder. Natürlich müssen wir genau hinsehen, doch oft reicht das allein nicht. Manche Geschichten lassen sich erst fortsetzen, wenn wir zuvor an einem ganz anderen Ort eine Aufgabe erledigt oder einen Gegenstand erhalten haben. Nicht jede Lösung verläuft geradlinig. Gerade wenn mehrere Handlungsstränge gleichzeitig offen sind, müssen wir uns merken, wer noch auf unsere Hilfe wartet und welche Hinweise später wichtig werden könnten. Zusätzliche Notizen sind deshalb durchaus sinnvoll.

Dass wir an einer Stelle nicht weiterkommen, gehört dabei zum Konzept. Also schlagen wir eine andere Seite auf, folgen einer neuen Figur und kehren erst später zur ursprünglichen Geschichte zurück. Genau darin liegt für uns ein großer Reiz von Carp City. Allerdings gilt es, den Faden nicht zu verlieren. Wir haben das Buch über mehrere Wochen immer wieder hervorgeholt, manchmal nur für eine kurze Suche, aus der dann doch das nächste skurrile Abenteuer wurde. Ein klassisches Hilfesystem fehlt, weshalb hartnäckige Suchphasen auch Geduld verlangen.

Warum die Sticker mehr als Dekoration sind

Zu den schönsten Ideen gehören die 272 Sticker . Immer wieder dürfen wir neue Figuren, Gegenstände oder Veränderungen direkt in die Wimmelbilder kleben. Manchmal verschwinden dadurch alte Nummern, an anderer Stelle tauchen neue Möglichkeiten auf. Die Stadt entwickelt sich sichtbar mit unseren Entscheidungen und erledigten Aufgaben weiter.

Das gibt selbst kleinen, unspektakulären Aufträgen einen greifbaren Abschluss. Gleichzeitig ist der Effekt dauerhaft: Nach einem vollständigen Durchgang lässt sich Carp City nicht einfach wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen. Am Ende bleibt dafür ein individuell verändertes Wimmelbuch, in dem die eigene Reise durch die Stadt nachvollziehbar ist.

Besonders bemerkenswert ist die Gestaltung. Die vielen Figuren, Schauplätze und winzigen Szenen wirken verspielt, ohne austauschbar zu werden. Auch abseits der eigentlichen Aufgaben gibt es viel zu entdecken. Allerdings verlangt das große Format Platz, und beim gemeinsamen Spielen können nicht alle gleichzeitig jedes Detail gleich gut sehen.

Allein spielen oder mit der Familie?

Wir haben Carp City nicht nur über viele Wochen immer wieder zur Hand genommen, sondern uns beim Suchen auch gerne Unterstützung von Freunden und Familie geholt. Ein frischer Blick auf eine übersehene Ecke kann plötzlich genau den gesuchten Hinweis liefern. Gerade das funktioniert wunderbar, weil andere auch für einen kurzen Moment miträtseln können, ohne sämtliche Handlungsstränge kennen zu müssen. Mit Kindern lässt sich daraus ein schönes gemeinsames Ritual machen.

Wer direkt vor dem aufgeschlagenen Wimmelbild sitzt, hat beim Suchen natürlich einen Vorteil. Deshalb sehen wir Carp City weniger als klassisches Gruppenspiel, bei dem alle gleichzeitig am Tisch sitzen müssen. Viel schöner ist es, gemeinsam zu stöbern, sich abzuwechseln oder jemanden spontan um Hilfe zu bitten. Jüngere Kinder profitieren beim Lesen und beim Nachhalten der vielen offenen Aufgaben von Erwachsenen. Die Altersempfehlung ab acht Jahren ist ein guter Ausgangspunkt, auch wenn die verzweigten Geschichten durchaus Konzentration verlangen.

Entscheidungshilfe

Für wen lohnt sich Carp City?

  • Für Fans von Wimmelbildern, Suchspielen und fantasievollen Abenteuerwelten.
  • Für Familien, die über mehrere Tage gemeinsam kleine Aufgaben lösen möchten.
  • Für Menschen, die ohne Zeitdruck und ohne komplizierte Regeln spielen möchten.
  • Für Rätselnde, die gerne sammeln, kombinieren und sichtbare Fortschritte mögen.

Unser Fazit

Eine ganze Spielwelt zwischen zwei Buchdeckeln

Carp City braucht weder Zeitlimit noch spektakuläre Rätselmechanismen, um zu unterhalten. Die Freude entsteht beim Entdecken neuer Orte, beim Wiederfinden längst vergessener Hinweise und beim Verändern der Wimmelbilder. Gerade das Zusammenspiel aus Stadtführer, Sammellisten und Stickern ist ungewöhnlich gut durchdacht.

Besonders beeindruckt hat uns, dass die Geschichten nicht isoliert nebeneinanderstehen. Immer wieder mussten wir einen anderen Auftrag voranbringen, ehe sich eine frühere Aufgabe lösen ließ. Diese Verknüpfungen sorgen für echte Herausforderungen, ohne den entspannten Charakter des Spiels aufzugeben. Carp City hat uns über mehrere Wochen beschäftigt. Und trotzdem hatten wir immer wieder Lust, das Buch erneut aufzuschlagen, eine offene Spur weiterzuverfolgen oder Freunde und Familie beim Suchen einzuspannen. Ein besseres Zeichen für ein funktionierendes Spielkonzept gibt es kaum. Für uns ist das ein spektakuläres Erlebnis, das weit über ein gewöhnliches Wimmelbuch hinausgeht.

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